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Bräuche zur Geburt in der Schweiz: vom Tannli bis zum Gotti
Veröffentlicht am 18. Mai 2026·once & kept

Eure Wunschliste
Wünsch dir genau das, was von Herzen kommt
Dein Dörfli ist eure private Wunschliste fürs Baby. Versammle die Menschen, die euer Kleines schon jetzt lieben — Gotti, Götti, Grosi — in einem warmen Kreis, wähl die handgemachten Schweizer Stücke aus, die du dir wirklich wünschst, und teil einen einzigen Link. Sie schenken mit Bedacht, du bekommst genau das, worauf du dich freust. Nichts doppelt, nichts, das nicht zu eurem Nest passt.
Wunschliste erstellenDie bekanntesten Bräuche zur Geburt in der Schweiz sind die Geburtsanzeige, das geschmückte Geburtstannli im Garten, die Geburtstafel am Balkon (früher fast immer ein Storch) und der erste Besuch bei der jungen Familie. Dazu kommen die Geburtskerze, das Pflanzen eines Bäumchens und die Wahl von Gotti und Götti, mit oder ohne Taufe. Was davon wo üblich ist und was man als Gast erwartet, liest du hier.
Schweizer Geburtsbräuche auf einen Blick
Kurz vorweg: Keine Familie macht alles. Im Dorf sieht man andere Bräuche als in der Stadt, und in der Zentralschweiz andere als am Genfersee. Die Übersicht zeigt dir, was dahintersteckt, wer es macht, wann und wo.
- Geburtsanzeige: Karte mit Name, Datum, Gewicht und Grösse. Die Eltern verschicken sie in den ersten Wochen. Schweizweit üblich.
- Geburtstannli: gefällte, geschmückte Tanne im Garten der Eltern. Freund:innen oder Nachbarschaft stellen sie kurz nach der Geburt auf. Vor allem auf dem Land in der Deutschschweiz.
- Geburtstafel: bemalte Holzfigur mit Name und Geburtsdatum an Balkon oder Zaun. Die Eltern hängen sie auf oder bekommen sie geschenkt, etwa von Gotti und Götti. Besonders sichtbar in der Zentralschweiz.
- Bäumchen pflanzen: ein Obstbaum, der mit dem Kind wächst. Meist von den Eltern oder der Familie gepflanzt, in den ersten Monaten. Dort, wo es Garten gibt.
- Wochenbesuch: der erste Besuch zu Hause. Familie und Freundeskreis, sobald die Eltern bereit sind. Überall.
- Geburtskerze: Kerze mit Name und Geburtsdatum, die oft auch bei der Taufe überreicht wird. Vor allem in katholischen Gegenden.
- Gotti und Götti: Patin und Pate als besondere Bezugspersonen. Die Eltern fragen meist in der Schwangerschaft oder in den ersten Monaten. Schweizweit, mit oder ohne Taufe.
Geburtstannli: der geschmückte Baum im Garten
Am Morgen steht es einfach da. Eine Tanne im Garten, die unteren Äste abgesägt, oben bunte Bänder und ein paar Spielsachen, am Stamm ein Schild mit Name und Geburtsdatum. Das Geburtstannli stellen Freund:innen, Nachbarn oder Kolleg:innen meist heimlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf. Die Eltern merken es oft erst beim Blick aus dem Fenster.
Zum Brauch gehört eine stille Abmachung: Wer stellt, wird eingeladen. Traditionell bewirten die Eltern alle Helfer:innen, und zwar oft dann, wenn das Tannli nach rund einem Jahr wieder abgebaut wird. Manche Bäume bleiben auch deutlich länger stehen. Unser Rat an frischgebackene Eltern: Ein Apéro im Garten, sobald ihr wieder Luft habt, ist völlig in Ordnung. Ein Festessen mitten im Wochenbett erwartet niemand.
Woher das Tannli kommt, ist nicht geklärt. Vermutet wird, dass die Wurzeln bis zu den Römern zurückreichen, die zur Geburt einen Baum gepflanzt und geschmückt haben sollen. In vielen Quartieren hat inzwischen die Geburtstafel den Platz des Tannlis übernommen, ganz einfach, weil im Mehrfamilienhaus kein Garten da ist.
Ein Bäumchen pflanzen
Die leisere Variante ist ein echter Baum, der bleibt. Früher pflanzte man für ein Mädchen einen Birnbaum und für einen Buben einen Apfelbaum. Heute zählt eher, was im Garten Platz hat. Ohne eigenen Garten lässt sich der Baum auch bei einem Bauern setzen. Wir finden: Ein Apfelbaum, unter dem das Kind später sein Znüni isst, ist eines der schönsten Geschenke, das Grosseltern machen können.
Geburtstafel und Storch: so erfährt das Quartier den Namen
Wer durch Luzerner Quartiere spaziert, sieht sie überall: bunte Holzfiguren an Balkongeländern, ein Storch mit Bündel im Schnabel, daneben ein Name in grossen Buchstaben. Besonders verbreitet ist die Geburtstafel in der Zentralschweiz. Früher war es fast immer der Storch, heute hängen da auch Schafe, Schildkröten oder Einhörner. Die Tafeln sind gross, oft um einen Meter hoch, damit man den Namen auch vom Trottoir aus lesen kann.
Oft schenken Gotti, Götti, Onkel und Tante oder der Verein der Eltern die Tafel. Wer eine schenken will, fragt die Eltern am besten kurz vorher. Nicht alle wollen den Namen ihres Kindes an der Strasse stehen haben, und in einer Mietwohnung lohnt sich ein Blick in die Hausordnung.
Wie lange sie hängen bleibt? Eine feste Regel gibt es nicht. Nach ein paar Monaten hat sie ihren Zweck erfüllt. Viele Tafeln ziehen danach ins Kinderzimmer um. Selten geworden ist übrigens die Wäscheleine mit Babykleidern an der Hauswand, die früher denselben Zweck hatte.
Geburtsanzeige und Geburtskarte
Die Geburtsanzeige ist der verbreitetste Brauch, in der Schweiz wie fast überall in Europa. Drauf gehören der Name, das Geburtsdatum und meist auch Uhrzeit, Gewicht und Grösse, oft dazu ein Foto und ein kurzer Satz. Ein Tipp, der sich bewährt hat: Schreib die Couverts schon vor der Geburt an. Mit einem Neugeborenen im Arm sucht niemand gern Adressen zusammen.
Zum Brauch gehört auch die Antwort. Wer eine Karte bekommt, schickt traditionell eine Glückwunschkarte oder ein kleines Geschenk zurück. Was sich dafür eignet, liest du in unserem Artikel Was schenkt man zur Geburt in der Schweiz?.
Kurze Formulierungen für die Karte
- «Da bin ich: [Name], geboren am [Datum] um [Uhrzeit], [Gewicht] g, [Grösse] cm.»
- «Jetzt sind wir zu viert. Willkommen, [Name].»
- «Klein, laut und schon sehr geliebt: [Name].»
- Auf Mundart: «Hoi zäme, ich bi’s: [Name].»
Verzichte auf Gedichte mit vier Strophen. Ein Satz, der nach euch klingt, bleibt länger hängen.
Der Wochenbesuch: wann, wie lange, was mitbringen
In manchen Freundeskreisen gibt es noch vor dem ersten Besuch das «Babypinkeln», einen Umtrunk, zu dem der frischgebackene Vater einlädt, solange Mutter und Kind noch im Spital sind. Den eigentlichen Wochenbesuch ersetzt das nicht. Das Wichtigste dabei: Den Zeitpunkt bestimmen die Eltern. Geburtsabteilungen raten jungen Familien, in den ersten Tagen möglichst wenig Besuch zu empfangen, weil Ruhe beim Stillen und beim Kennenlernen hilft. In den ersten Wochen kommt ausserdem regelmässig die Hebamme vorbei. Die Grundversicherung bezahlt diese Betreuung bis zum 56. Tag nach der Geburt.
So wird dein Besuch eine Freude und keine Pflicht:
- Frag, statt zu überraschen. Eine kurze Nachricht reicht: «Wann passt es euch? Gern auch erst in ein paar Wochen.»
- Komm nur gesund. Wenn du Schnupfen hast, verschiebst du den Besuch besser.
- Wasch dir die Hände, gleich nachdem du angekommen bist.
- Bleib nicht zu lange. Meist reicht eine Stunde. Und wenn das Baby schläft, lass es schlafen.
- Bring Essen mit oder pack an. Eine Lasagne für den Tiefkühler, den Abfall runterbringen, eine Maschine Wäsche. Hebammen empfehlen den Eltern sogar, Besuch direkt um eine Mahlzeit zu bitten.
Und fürs Baby? Etwas Kleines, das nicht gleich im Schrank verschwindet. Das Personalisierte Knistertuch von Stickerei Liebelei (CHF 28) passt in jede Jackentasche und wird in den ersten Monaten wirklich gebraucht. Wer als Gruppe schenkt, kann zusammenlegen: The Welcome (CHF 99) bringt Stücke von mehreren Schweizer Labels in einer Box zusammen. Mehr Ideen findest du bei den Geschenken zur Geburt. Blumen sind schön, aber im Wochenbett ist eine Vase mehr auch eine Aufgabe mehr.
Gotti und Götti: mehr als ein Taufamt
Gotti (oder Gotte) und Götti sind in der Schweiz viel mehr als ein Eintrag im Taufschein. Für viele Kinder sind es die Erwachsenen, die nicht Eltern sind und trotzdem immer da sind: beim ersten Ausflug mit dem Tram, beim Zvieri nach dem Chindsgi und später, wenn es mit der Lehrstellensuche harzt. Rechtliche Pflichten haben Gotti und Götti übrigens keine. Sie müssen auch nicht die Vormundschaft übernehmen, falls den Eltern etwas zustösst. Dafür ist die KESB zuständig.
Gefragt wird oft schon in der Schwangerschaft, gern mit einer kleinen Überraschung. Eine Idee von MANNIGFALTIG ist die handgegossene Babyflasche mit einer persönlichen Frage vom Baby, auf Mundart oder Hochdeutsch: das Gotti / Götti fragen Geschenk für CHF 26. Mehr Ideen und Formulierungen findest du unter Götti-Geschenke & Gotti fragen.
Glossar: Gotti und Götti in den Landessprachen
- Gotti / Gotte (Mundart) – Patin (Hochdeutsch) – marraine (Französisch) – madrina (Italienisch) – godmother (Englisch)
- Götti (Mundart) – Pate (Hochdeutsch) – parrain (Französisch) – padrino (Italienisch) – godfather (Englisch)
- Gottenkind / Göttikind (Mundart) – Patenkind (Hochdeutsch) – filleul, filleule (Französisch) – figlioccio, figlioccia (Italienisch) – godchild (Englisch)
Gotte und Gotti sind beide gebräuchlich. Welche Form ihr nehmt, hängt meist vom eigenen Dialekt ab.
Taufe, Willkommensfest und Geburtskerze
Für eine Patenschaft braucht es keine Taufe. Für die kirchliche gibt es aber Regeln: In der katholischen Kirche muss mindestens eine Patin oder ein Pate katholisch und gefirmt sein. In der reformierten Kirche müssen beide mindestens 16 Jahre alt sein, und mindestens eine Person muss reformiert und konfirmiert sein. Ohne Taufe gibt es zwar keinen offiziellen Status, aber das Versprechen zählt genauso. Manche Familien feiern stattdessen ein Willkommens- oder Namensfest, an dem Gotti und Götti ihre Rolle übernehmen.
Zu beidem passt die Geburtskerze mit Name und Datum. Sie ist vor allem in katholischen Gegenden verbreitet und wird oft bei der Taufe überreicht. Man kann sie später an jedem Geburtstag wieder anzünden.
Bräuche, die bleiben: Andenken mit Namen und Datum
Das Tannli wird irgendwann gefällt, und die Tafel verblasst im Keller. Was bleibt, ist das, was im Kinderzimmer hängt. Wer die Geburtstafel nach drinnen holen will, findet mit dem Namens-Wimpel von Stickerei Liebelei (CHF 25) sozusagen die kleine Tafel fürs Bett, bestickt mit dem Namen. Noch näher an der Geburtsanzeige ist das Geburtskissen Rüsche (CHF 60), ebenfalls von Stickerei Liebelei, mit Name und Geburtsdaten. Ein Kissen, das auch dann noch auf dem Bett liegt, wenn das Kind längst selbst lesen kann, was draufsteht.
Unser Rat: Ein Stück mit Namen reicht. Wenn Gotti, Götti und Grosseltern sich kurz absprechen, bekommt das Kind nicht drei Namenskissen, sondern drei verschiedene Erinnerungen.
Häufige Fragen
- Wer stellt das Geburtstannli auf, und muss man die Helfer einladen?
- Meist stellen Freund:innen, Nachbarn oder Kolleg:innen das Tannli heimlich über Nacht auf. Traditionell laden die Eltern die Helfer:innen zum Essen ein, oft erst, wenn der Baum nach rund einem Jahr abgebaut wird. Ein unkomplizierter Apéro ist genauso in Ordnung.
- Wie lange bleibt eine Geburtstafel hängen?
- Eine feste Regel gibt es nicht. Viele Tafeln hängen einige Monate am Balkon und ziehen danach ins Kinderzimmer um.
- Wann darf man eine Familie nach der Geburt besuchen?
- Dann, wenn die Eltern dich einladen. Spitäler raten, in den ersten Tagen möglichst wenig Besuch zu empfangen. Frag deshalb vorher nach und komm nur, wenn du gesund bist.
- Was bringt man zum Wochenbesuch mit?
- Am meisten helfen Essen für die Eltern und eine helfende Hand. Fürs Baby reicht etwas Kleines, das gebraucht wird, zum Beispiel ein Knistertuch oder eine Glückwunschkarte.
- Was heisst Gotti auf Hochdeutsch, Französisch und Englisch?
- Gotti oder Gotte heisst auf Hochdeutsch Patin, auf Französisch marraine, auf Italienisch madrina und auf Englisch godmother. Der Götti ist der Pate, parrain, padrino oder godfather.
- Braucht es eine Taufe, um Gotti oder Götti zu sein?
- Nein. Ohne Taufe gibt es keinen offiziellen Status, aber die Rolle lässt sich genauso leben, etwa mit einem Willkommensfest. Rechtliche Pflichten haben Gotti und Götti auch mit Taufe keine.
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